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Gepostet by on 13.12.2014 in Allgemein, Strategiespiele, Workerplacement | Keine Kommentare

Russian Railroads

Russian Railroads

Test – Dampf und Schienen


Russian Railroads entführt seine Spieler in die Zeit des späten Zarenreichs. Als Eisenbahnmogule werden Strecken gebaut und Fabriken hochgezogen, Arbeiter und Ingenieure angeheuert – alles für ein einziges Ziel: Siegpunkte.

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Der Gewinner des prestigeträchtigen Deutschen Spielepreises 2014 ist ein ganz klassischer Vertreter der sogenannten Workerplacement-Spiele. Optimales Einsetzen von Arbeitern bringt hier am Ende den Sieg und tatsächlich gibt es keine einzige Aktion, die aus diesem Prinzip herausfallen würde. Russian Railroads erfindet damit das Eisenbahnrad natürlich nicht neu, gleichzeitig funktionieren die Mechanismen aber einfach so unglaublich gut, dass man immer wieder gerne an den Planungstisch zurückkehrt.

Der Ablauf – Wie funktioniert Russian Railroads?

Das Spiel besteht aus einem Hauptspielplan, auf dem die Spieler in ihren Zügen verschiedene Aktionen wählen können, und einzelnen Tableaus für jeden Spieler. Dort werden die Eisenbahnen und Fabriken eingesetzt und auch der Gleisbau findet hier statt. Kenner von Spielen wie Agricola fühlen sich hier wahrscheinlich direkt heimisch. Ist ein Spieler an der Reihe, setzt er je nach Anforderung einen oder mehrere Arbeiter auf ein freies Aktionsfeld und führt die Aktion direkt im Anschluss darauf aus, bevor der nächste Spieler seinen Zug beginnt. Folgende Aktionsmöglichkeiten stehen zur Wahl:

Streckenbau – es gibt schwarze, graue, braune, naturfarbene und weiße Gleise, die man auf den drei aufgedruckten Eisenbahnstrecken seines Spielplans einsetzen und weiterschieben kann. Zu Beginn steht auf jeder Strecke ein schwarzes Gleis, das man etwa für einen Arbeiter um zwei Felder versetzen kann. Später können hinter diesem Gleis dann höherwertige Exemplare eingesetzt werden, die aber ihre Vorgänger nie überholen dürfen. So schiebt man also eifrig Ketten Stück für Stück nach vorn. Erst die schwarzen Gleise, dann die grauen und so weiter. Neben Siegpunkte belohnt der Spielplan dafür mit verschiedensten Extras, etwa der Möglichkeit überhaupt graue oder braune Gleise einsetzen zu dürfen – oder auch weiteren Arbeitern, dem Traum aller Optimierungsspieler. Gerade aus diesen Extras und der Möglichkeit, gezielt darauf hinzuarbeiten, bezieht das Spiel viel von seinem Reiz.

Lokomotiven und Fabriken – Was nützt die schönste Eisenbahnstrecke, wenn kein Zug darauf fährt? Deswegen gibt es einige Felder, auf denen die Spieler Lokomotiven erwerben können. Die aufgedruckte Nummer verrät, wie weit sie fahren kann. Verspricht mir etwa die Strecke nach Kiew, dass ich einen Arbeiter erhalte, wenn mein schwarzes Gleis das siebte Feld erreicht, dann bekomme ich ihn nur, wenn ich auch eine Lokomotive habe, die soweit fährt.

Da ein Spieler immer den Zug mit der niedrigsten Nummer nehmen muss, kann hier gut taktiert werden. Nehme ich jetzt die sichere Vierer-Lok oder baue ich darauf, mit meiner nächsten Aktion eine bessere zu bekommen? Und was wenn sie dann schon weg ist? Beim Einsetzen können die dampfenden Ungetüme auf dem eigenen Spielplan auch direkt untereinander getauscht werden, was eine Menge Optimierungspotential bietet. Mit Fabriken funktioniert das Ganze sehr ähnlich. Als stolze Produzenten errichten die Spieler diese am Rand ihres Tableaus.

Industrialisierung – Es gibt verschiedene Aktionen, mit denen der Industrialisierungsmarker der Spieler weitergeschoben werden kann. Das bringt später Siegpunkte, außerdem wird jede Fabrik im Vorübergehen aktiviert. Dies löst dann einmalig eine weitere Aktion aus, etwa eine neue Lokomotive oder Fortschritt mit Gleisen beliebiger Farbe.

Sonstige Aktionen – hier kann man sich Leiharbeiter nur für die jeweilige Runde sichern, Verdoppler nehmen (die Siegpunkte für Gleise bei künftigen Wertungen – auch wenn das nun überraschend kommt – verdoppeln), oder auch direkt zwei Münzen in den eigenen Vorrat wandern lassen. Diese sind praktisch Joker und können jederzeit anstelle eines Arbeiters eingesetzt werden. Außerdem gibt es einige Aktionen, die man ohne Münzen nicht ausführen kann.

Spielerreihenfolge – Mittlerweile gibt es sehr viele Spiele, die eine variable Spielerreihenfolge anbieten. Russian Railroads ist hier keine Ausnahme: Durch Einsetzen eines Arbeiters kann ich eine bessere Position für die nächste Runde ergattern.

Zuletzt gibt es noch Ingenieure. Diese bieten neue Aktionsmöglichkeiten und zeigen gleichzeitig die verbleibende Spieldauer an. Jede Runde werden sie ein Feld weiter nach rechts geschoben, der Ingenieur am Rand kann dabei für den Gegenwert einer Münze erworben werden. Ein Spieler, der sich die Dienste dieser findigen Männer und Frauen sichert, hat dadurch ein ganz privates Aktionsfeld, das natürlich eine ganz andere Planungssicherheit gibt. Entsprechend umkämpft sind sie im Normalfall.

Russian Railroads Material

Das Rundenende – Wertung, Wertung, Wertung

Im Gegensatz zur klassischen Endwertung vieler Spiele, findet in Russian Railroads am Ende jeder Runde, das heißt wenn alle Spieler gepasst haben, eine Wertung statt. Der Wert von Gleisen und Industrie wird dabei zusammengezählt und mit eventuellen weiteren Boni verrechnet. So bekommt etwa der letzte Spieler der Zugreihenfolge ein paar Extrasiegpunkte. Das Ganze ist durchaus mit einigem Rechnen verbunden, man sollte also in der Runde jemanden sitzen haben, der Spaß am klassischen Addieren und Multiplizieren hat.

So spielt jeder Spieler für sich, beobachtet den Auf- und Ausbau der Konkurrenz, wägt die nächsten Aktionen kritisch ab und versucht die optimalen Züge zu finden. Die einzige Interaktion findet bei Russian Railroads, wie bei Workerplacement-Spielen typisch, beim Einsetzen der Arbeiter statt. Besetzte Felder sind für den Rest der Runde blockiert. Wer also keinen Gedanken daran verschwendet, was die Mitspieler wohl planen könnten, verliert durch zu sorglose Wahl der Aktionsmöglichkeiten möglicherweise schnell an Boden. Nach sieben Runden, bzw. sechs oder fünf bei weniger Spielern, ist das Spiel vorbei und eine finale Wertung später steht der Sieger fest.

Anleitung und Material

Russian Railroads gehört zu den Spielen mit vorbildlicher Anleitung. Stück für Stück werden alle Aktionen erst allgemein und später im Detail mit vielen Abbildungen und Beispielen erklärt. Keine Frage bleibt offen und die gute Strukturierung hilft beim Nachschlagen. Volle Punktzahl also hier. Auch über das Material kann man sich nicht beklagen. Das Design ist stimmig, die Pappe dick und sowohl der Hauptspielplan als auch die Pläne der Spieler mit ihren zahlreichen erklärenden Abbildungen sind besser als jede Kurzspielanleitung. Damit nicht genug, gibt es trotzdem für jeden Spieler eine kleine Übersichtskarte. Hier wurde also nicht gespart. Gleichzeitig ist das Material aber auch so funktional wie möglich. Um etwa die Fabrikenmarker, auf denen nichts außer der jeweiligen Aktionsmöglichkeit aufgedruckt ist, als rauchende Wahrzeichen der Industrialisierung zu erkennen, benötigt man dann doch ein wenig Fantasie.

Fazit – Wie gut ist Russian Railroads?

Würde ich versuchen, jemandem den Begriff Workerplacement zu erklären, wäre Russian Railroads wahrscheinlich eins meiner ersten Beispiele. In seiner Machart ist es eine Blaupause für dieses Spielegenre. Dabei macht das Spiel allerdings so unglaublich viel richtig, dass es trotzdem heraussticht und man es völlig zurecht zu den Besten seiner Art zählen kann. Wer große Innovation erwartet, ist hier falsch, dafür findet man ein Spiel, dessen Mechanismen perfekt funktionieren und mit seinem direkten Spielfluss in seinen Bann ziehen kann.

Wenn ich meinen Industriemarker über eine Fabrik ziehe, die mir eine neue Lokomotive erlaubt, durch die ich dann dank meiner schon im Voraus ausgebauten Strecke einen Bonus erhalte und den Industriemarker um weitere fünf Felder verschieben kann (natürlich inklusive Aktivierung neuer Fabriken) – dann fühlt sich das einfach gut an. Derartige Kettenreaktionen lassen sich perfekt planen und ich könnte den ganzen Tag nichts anderes machen als sie dann auch auszulösen. Das ist natürlich mit einiger Grübelei verbunden – setze ich von Anfang an brutal auf die Strecke nach Kiew um mir den Siegpunktbonus zu sichern? Oder versuche ich mit Verdopplern und wertvollen Gleisen auf der Transsib-Strecke zwar langsam zu starten, aber dafür am Ende eine alles vernichtende Punktemaschine aufzubauen? Viele Wege führen nach Moskau und das Balancing scheint den Autoren sehr gut gelungen zu sein.

Für Abwechslung sorgt der Anreiz verschiedene Strategien auszuprobieren, außerdem werden die Ingenieure vor jedem Spiel zufällig ausgewählt. Große Unterschiede im Spielgefühl sind dabei zwar nicht zu erwarten, aber das braucht Russian Railroads eigentlich auch gar nicht. Denn wer Vertreter dieses Genres mag, findet hier ein perfekt umgesetztes Spiel. Russian Railroads belohnt gute Züge, ist gnadenlos, wenn ein Mitspieler mal wieder die letzte Möglichkeit auf eine Lokomotive verbaut – und macht dabei einfach Spaß.

Hat dir diese Rezension gefallen? Sag uns gerne in den Kommentaren deine Meinung – wir freuen uns riesig über Lob, Anregungen und Kritik.

Russian Railroads - die Wertung

Russian Railroads - die Wertung
8

Strategie/Taktik

10/10

    Interaktion

    3/10

      Anleitung/Material

      8/10

        Spielspaß

        8/10

          Pro

          • - Perfekt ausgearbeiteter Mechanismus
          • - Viele verschiedene Strategien möglich
          • - Kein Glücksanteil

          Contra

          • - Funktionales Design
          • - Kaum Interaktion

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