Pages Menu
TwitterFacebook
Categories Menu

Gepostet by on 12.02.2015 in Allgemein, Kartenspiele, Strategiespiele | Keine Kommentare

Race for the Galaxy

Race for the Galaxy

Test


Mein meistgespieltes Gesellschaftsspiel des Jahres 2014 war überraschenderweise nicht das herausragende Terra Mystica, sondern ein kleines Kartenspiel namens Race for the Galaxy. Ob im Stadtpark, am Strand oder natürlich zu diversen Spieleabenden, wieder und wieder wurde es hervorgeholt. Zugegeben – die mit 30-45 Minuten sehr kurze Spieldauer war daran nicht ganz unbeteiligt, gleichzeitig kann das Spiel aber eben auch mit einem großartigen und unglaublich variantenreichenden Spielprinzip begeistern.

Direkt zum Fazit
Direkt zur Wertung

Race for the Galaxy entführt bis zu vier Spieler in die Weiten des Weltalls, wo sie als Anführer einer galaktischen Zivilisation Planeten besiedeln und erobern, verschiedenste Technologien erforschen und komplexe Warenkreisläufe aufbauen. Hierfür wählen die Spieler vor Spielbeginn aus sechs zufällig zugeteilten Handkarten vier aus, mit denen sie anfangen möchten, bekommen eine der fünf verschiedenen Heimatwelten zugelost und die sieben Aktionskarten überreicht. Das Rennen kann beginnen.

Race for the Galaxy Aktionskarten

Der Ablauf einer Spielrunde


Jede Runde gliedert sich in fünf Aktionsphasen: Erkunden, Entwickeln, Siedeln Verbrauchen und Produzieren, die in dieser Reihenfolge von allen Spielern gleichzeitig durchgeführt werden. Welche davon allerdings tatsächlich aktiviert wird, ist abhängig von der Wahl der Aktionskarten. Denn vor jeder Runde entscheiden sich die Spieler für eine davon, legen sie verdeckt vor sich ab und drehen sie schließlich gleichzeitig um. Nur die offen liegenden Aktionen werden nun auch gespielt – haben also alle dieselbe Karte vor sich liegen, gibt es in dieser Runde nicht besonders viel zu tun.

Entsprechend macht sich vor jeder Runde ein gewisses Poker-Feeling breit, während man die Mitspieler einzuschätzen versucht. Denn wenn ich eine Aktion garantieren möchte, hindert mich zwar nichts daran, sie einfach auszulegen – da man aber oftmals Synergie aus mehreren Handlungsschritten benötigt, gilt es abzuwägen, für welchen man nun am ehesten selber sorgen sollte. Dass man für das Spielen einer Karte in der Phase selbst noch einen verlockenden Bonus erhält, macht die Überlegung nicht einfacher.

Die Aktionsphasen im Detail


Erkunden erlaubt es, zwei Handkarten zu ziehen und eine davon zu behalten. Wem hier der Glücksfaktor zu hoch ist, kann mit einem Aktionskartenbonus nachhelfen und die Möglichkeit erhalten, aus sieben Optionen die für ihn beste zu wählen. Für gewisse Strategien ist diese gezielte Suchen nach ganz bestimmten Puzzleteilen der entscheidende Weg, dem wachsenden Imperium aus der Zufallsfalle zu helfen.

Mit den Aktionen Entwickeln und Siedeln dürfen entsprechende Karten ausgelegt, Technologien also erforscht und Planeten besiedelt oder erobert werden. Das Grundprinzip von Race for the Galaxy sorgt an dieser Stelle immer wieder für Kopfzerbrechen: Denn das Ablegen einer Karte muss mit anderen Handkarten bezahlt werden, ein Mechanismus, der vor ständige innere Konflikte stellt und jede Runde zu harten Entscheidungen zwingt: Spiele ich jetzt die Händler-Welt, die mir größere Einnahmen aus all meinen Verkäufen einbringt? Aber auf was ich dann alles verzichten müsste… schwierig.

Verbrauchen wandelt Ressourcen, die auf Produktionswelten liegen, in Siegpunkte um, ein Bonus verdoppelt diese Siegpunkte sogar. Wer in dieser Phase die Aktionskarte Handeln gewählt hat, darf eine der verbrauchten Waren auch verkaufen und kassiert je nach Art des Rohstoffs zwischen zwei und fünf Karten. Am Rundenende darf allerdings kein Spieler das Handkartenlimit von zehn überschreiten.

Produzieren füllt schließlich die Lager aller Produktionswelten wieder auf, in denen nicht bereits ein Handelsgut (in Form einer umgedrehten Karte) liegt. Auf den unwirtlichen Windfallwelten darf dabei nur ein produzierender Spieler selbst für die Warenerzeugung sorgen.

Race for the Galaxy Test

Von Vielfalt und Verwirrung


Race for the Galaxy umfasst volle 95 verschiedene Karten, von den Expeditionstruppen und der Künstlerkolonie bis zum Galaktischen Imperium. Jede einzelne davon hat spezielle Funktionen, beispielsweise Vergünstigungen beim Siedeln oder vergrößerte militärische Stärke. Manche Vorteile betreffen auch ganz direkt anderen Karten oder geben erst am Spielende Siegpunkte, etwa für eroberte Welten oder Handelstechnologien. Eine erfolgreiche Strategie baut entsprechend auf Karten auf, die gut miteinander harmonieren und ihre Effekte gegenseitig verstärken. Die Vielfalt ist so groß, dass ich in allen meinen Spielen viele der Karten noch nie ausgespielt habe.

Der Segen ist aber gleichzeitig auch Fluch, denn Neulinge können sich von der erklärenden Symbolik auf den Karten ein wenig erschlagen fühlen. Zwar bietet Race for the Galaxy hierfür extra eine (doppelseitige!) Kurzspielanleitung an, auf der alle Symbole erklärend zusammengefasst sind, in den ersten Spielen sitzt man dennoch oft grübelnd vor den eigenen Handkarten und ist sich nicht ganz klar, welche davon nun was bewirkt.

Gepflegter Handel – oder doch besser Krieg?


Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, das Spiel zu gewinnen: Mit Militär oder durch Wirtschaft. Für den ersten Weg benötigt man zum einen militärische Stärke, zum anderen siegpunktbringende Welten, die erobert werden können. Hat man beides, ist der große Vorteil dieser Strategie, dass eine Invasion nicht mit Karten gezahlt werden muss. Der Handelsweg läuft im Gegenzug dazu oftmals ein wenig langsamer an, kann aber, erstmal ins Rollen gekommen, furchterregende Siegpunktmaschinen hervorbringen, bei denen schon durch Nebeneffekte bei der Ressourcenproduktion eine Handvoll Karten gezogen werden darf.

Race for the Galaxy ist dabei aber zu keinem Zeitpunkt eintönig, denn zum einen erfordert der Glücksfaktor beim Ziehen der Karten stetige Anpassungen an die aktuelle Kartenhand, zum anderen lassen sich auch Hybridstrategien sehr erfolgreich spielen. Beendet ist der kurzweilige Kampf im Weltraum dann, wenn eine Zivilisation zwölf Karten ausgespielt hat, oder der letzte Siegpunktchip verteilt wurde.

Race for the Galaxy Spielaufbau

Fazit – wie gut ist Race for the Galaxy?


Kein Spiel kam bei mir 2014 öfter auf den Tisch, viel mehr muss man denke ich kaum sagen. Race for the Galaxy überzeugt durch einen wunderbaren Mechanismus, der Runde für Runde harte Entscheidungen einfordert und immer wieder dazu zwingt, von eingeschlagenen Pfaden auszuweichen. Der Glücksfaktor spielt natürlich eine nicht unerhebliche Rolle, aber in den allermeisten Fällen entscheidet die Kunst, das Gegebene optimal zu nutzen und dabei die Mitspieler nie aus den Augen zu verlieren, über Sieg und Niederlage. Damit ist es praktisch ein 4X-Game-light im Zeitraffer.

Mich persönlich sprechen sowohl das Setting als auch die Kartenvielfalt von Race for the Galaxy deutlich mehr an als das beim sehr ähnlichen San Juan der Fall war. Die Illustrationen sind extrem stimmungsvoll geraten und tragen ihren Teil zur Spielatmosphäre bei. Zwar sind die Karten komplett auf Englisch, die Anleitung liegt aber auch in deutscher Sprache bei. Die einzige Sprachbarriere entsteht ohnehin durch das Symbolalphabet, das man zunächst durchschauen muss. Hat man diese Hürde aber gemeistert, bekommt man zur Belohnung ein Spiel, das kurzweilig und abwechslungsreich, taktisch und thematisch gelungen ist.

Wer noch eins der Exemplare des leider vielfach vergriffenen Spiels ergattern kann, sollte nicht zögern. Auf zum nächsten Rennen!

Hat dir diese Rezension gefallen? Sag uns gerne in den Kommentaren deine Meinung – wir freuen uns riesig über Lob, Anregungen und Kritik.

Race for the Galaxy

Race for the Galaxy
8.5

Strategie/Taktik

6/10

    Interaktion

    4/10

      Anleitung/Material

      8/10

        Spielspaß

        9/10

          Pro

          • - grandios kurzweiliges Kartenspiel mit Sci-Fi-Flair
          • - Knapp 100 verschiedene Karten sorgen für genügend Abwechslung
          • - Sehr ansprechende grafische Gestaltung
          • - Spielmechanismus fordert ständig harte Entscheidungen

          Contra

          • - Glücksfaktor nicht unerheblich
          • - Keine direkte Interaktion
          • - Nur auf Englisch erhältlich

          Kommentar absenden

          Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

          Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>