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Gepostet by on 27.03.2015 in Allgemein, Familienspiele, Kartenspiele | 2 Kommentare

Love Letter

Love Letter

Spiel im Test


Als Kind war die Lebensaufgabe noch extrem simpel gestrickt: Den Drachen in zwei Teile schlagen, die Prinzessin retten und neben dem halben Königreich noch direkt das Herz der Angebeteten erobern. Soweit, so einfach. Da es da draußen allerdings nur sehr wenig Prinzessinnen, noch weniger Königreiche und schockierenderweise keinen einzigen Drachen gibt, endet ein solcher Traum recht schnell in der harten Wirklichkeit. Voreilig wie sich zeigt, denn dass man eine Königstochter auch zum Traualtar führen kann, ohne vorher feuerspeiende Reptilien zu vermöbeln, zeigt das kleine Kartenspiel „Love Letter“: Mit Tinte und Feder, List und Leidenschaft – und vor allem guten Beziehungen.

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Love Letter – darum geht es


In Love Letter übernimmt jeder der zwei bis vier Spieler die Rolle eines verliebten Romantikers, der alles dafür tut, der Prinzessin seinen titelgebenden Liebesbrief zu übergeben. Was auf den ersten Blick vielleicht noch sehr einfach klingt (in das Schloss marschieren, den Brief übergeben, nach Hause gehen, nicht einschlafen können, stündlich die Brieftaube kontrollieren), verkompliziert sich dadurch, dass der König – natürlich – eifersüchtig über seine Tochter wacht. So entspinnt sich ein munteres Versteckspiel, an dessen Ende die Angebetete nur einem der Freier ihr Herz schenken kann.

Love Letter Kartenspiel mit verschiedenen Personenkarten

Ein kinderleichtes Spielprinzip


Sechzehn Karten, mehr braucht Love Letter nicht um als Spiel zu funktionieren. Jede dieser Karten stellt eine der Figuren bei Hofe dar – von der Wächterin über die Zofe bis hin zur Prinzessin selbst. Je näher die Person der Königstochter steht, desto wertvoller ist die Karte am Ende. Vor Spielbeginn werden diese Personenkarten gemischt, eine davon verdeckt beiseite gelegt und jedem Spieler eine Handkarte ausgeteilt. Reihum sind diese nun an der Reihe und führen dabei folgenden Zug durch:

  • eine neue Karte ziehen
  • eine der nun zwei Handkarten wählen und offen ausspielen
  • die beschriebene Aktion ausführen und die Karte anschließend offen auf den persönlichen Ablagestapel legen

Tatsächlich hat Love Letter ansonsten keine weiteren Regeln – zählt man die Fähigkeiten der Figuren nicht dazu, die das Spiel natürlich ausmachen. So erlaubt mir etwa der Priester, die Handkarte eines anderen Spielers anzusehen, der Prinz zwingt einen Mitspieler dazu, seine Karte abzuwerfen und eine neue zu ziehen, während die Gräfin dann gespielt werden muss, wenn ein Spieler zusätzlich entweder den Prinz oder den König auf der Hand hat. Wer sich die Eigenschaften aller acht verschiedenen Figuren nicht merken möchte, kann sie jederzeit auf einer der vier Übersichtskarten nachlesen.

Love Letter Eigenschaften der Personen

Von schnellen Runden und wankenden Herzen


Wie viele Regelleichtgewichte ist Love Letter ein unglaublich schnelles Spiel. Sogar wenn alle fünfzehn Karten durchgespielt werden, dauert eine Runde nur wenige Minuten und ist oftmals auch einfach beendet, weil nur noch ein Spieler übrig geblieben ist, potentiell können nämlich neun der sechzehn Karten einen Konkurrenten aus dem Rennen werfen. Sollte es doch dazu kommen, dass mehrere Nebenbuhler den Schergen des Königs entkommen, gewinnt jener die Runde, dessen Handkarte eine höhere Zahl zeigt – von eins bei der Wächterin bis zur acht auf der Karte der Prinzessin.

Der Gewinner bekommt nun sehr bildlich einen der hölzernen Herzmarker überreicht. Zu früh freuen darf er sich aber nicht, denn das adelige Fräulein ist zwar leicht zu beeindrucken, aber dann doch nur schwer zu erobern. Die Karten werden im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder neu gemischt, bis einer der Casanovas eine bestimmte Anzahl von Runden gewonnen hat. Möge er bis dahin nicht an Schreibkrämpfen gestorben sein.

Love Letter Spiel für kurzweiligen Spaß

Fazit – wie gut ist Love Letter?


Love Letter ist ein extrem kurzweiliges Spiel, in dem es grundsätzlich darum geht, herauszufinden, was für Personen die anderen Spieler auf ihrer Hand halten und diesen Vorteil dann zu nutzen. Das führt natürlich zu dem einen oder anderen Bluff – hat er die Gräfin nun ausgespielt, weil er den König oder den Prinz gezogen hat, oder führt er uns nur an der Nase herum? Möchte sie mit der Zofe eine wertvolle Person schützen, oder wartet dann doch bloß eine Wächterin auf ihre Befehle? Zu viel Taktik darf man allerdings nicht erwarten, denn das Spiel präsentiert sich oftmals so unberechenbar wie ein zorniger König und kommt dabei so leichtfüßig daher wie ein Freier auf der Flucht.

Kartenspiele wie Love Letter sind die perfekten Spiele für zwischendurch. Aus dem Regal nehmen, in dreißig Sekunden aufbauen und kurze Zeit später feststellen, dass man das Ganze ja eigentlich auch ein zweites Mal spielen könnte. Manchmal ist das Spiel gnadenlos unfair, wenn ich beispielsweise ausscheide, ohne ein einziges Mal an der Reihe gewesen zu sein, aber grundsätzlich zieht es gerade aus seiner Unberechenbarkeit und Geschwindigkeit seinen Reiz. Auch die stilsicher gezeichneten Karten tragen ihren Teil dazu bei, dass Love Letter wieder und wieder auf herrlich entspannte Art und Weise Spaß macht. Ich bin am Ende nur unschlüssig, ob ich den ehrlichen Kampf mit einem Königstöchter entführenden Drachen den undurchschaubaren höfischen Intrigen nicht vorziehen würde…

Hat dir diese Rezension gefallen? Sag uns gerne in den Kommentaren deine Meinung – wir freuen uns riesig über Lob, Anregungen und Kritik.

Love Letter

Love Letter
7

Strategie/Taktik

3/10

    Interaktion

    9/10

      Anleitung/Material

      9/10

        Spielspaß

        7/10

          Pro

          • - Schnelles, spaßiges Spiel
          • - Schöne Zeichnungen und hochwertiges Material
          • - Sehr viel Interaktion
          • - Perfekt für eine schnelle Runde zwischendurch
          • - Nur-noch-eine-Runde-Faktor

          Contra

          • - Erst ab drei Spielern empfehlenswert
          • - Auch wenn es das Spiel ausmacht - direktes, unverschuldetes Ausscheiden ist möglich und kann Leute stören

          2 Kommentare

          1. Für das Spiel zu zweit empiehlt sich folgende Regeländerung:

            Zu zweit kann ein Durchgang sehr schnell vorbei sein, der Zufall dominiert. Folgende Variante verlängert den Durchgang und lässt taktische Einflussnahme stärker zur Geltung kommen. Als zusätzliches Material benötigt man für jeden Spieler eine Karte: „Sofortbehandlung beim königlichen Hofarzt”, 2 gewöhnliche Chips, Meeples usw. tun es natürlich auch.
            Die Regel für zwei Spieler, dass vor jedem Durchgang drei Karten offen beiseitegelegt werden, entfällt. Der aktive Spieler zieht nun zwei statt einer Karte. Sollte am Ende nur noch eine Karte zum Ziehen vorhanden sein, bleibt es bei der Ursprungsregel. Bevor der aktive Spieler eine Karte ausspielt, schiebt er eine beliebige seiner drei Handkarten verdeckt unter den Talon. Dann spielt er regulär aus. Ein Spieler, der nach der Originalregel ausgeschieden wäre, darf nun einmal pro Durchgang die Sofortbehandlung des königlichen Hofarztes in Anspruch nehmen, indem er diese Karte vor sich auslegt. Damit ist er dem Tod gerade noch einmal von der Schippe gesprungen. Die offenbarten Karten werden abgelegt und ersetzt. Der Gegner beginnt (im Falle eines gespielten Barons) zuerst mit dem Nachziehen. Ist der Talon jedoch so weit aufgebraucht, dass nicht jeder eine Karte auf der Hand hält, dann kommt die ärztliche Hilfe zu spät Achtung: Die separate Karte, die nicht im Spiel ist, ist weiterhin nur dafür da, gegen Ende eine wegen der Aktion des Prinzen abgelegte Karte zu ersetzen, allerdings jetzt auch für die offenbarte Prinzessin. Wer ein zweites Mal innerhalb eines Durchgangs die Dienste des Hofarztes in Anspruch nehmen müsste, ist endgültig ausgeschieden, und das Herz geht an den Gegner. Erleben beide Kontrahenten das Ende des Durchgangs, ist unerheblich, ob einer von ihnen vorher beim Arzt war. Auch ein Gleichstand wird dadurch nicht aufgehoben. Da die Durchgänge jetzt länger dauern, kann man auch nur darum spielen, wer zuerst vier oder lediglich drei Herzen hat.
            Je nach Ausgabe des Spiels sind die abgelegten Karten einsehbar oder unter dem Abwurfstapel verdeckt. Obige Variante funktioniert mit beiden Regelversionen.

            • Moin Florian und danke dir für diese Variante! Die muss ich mal ausprobieren, denn mit den Standardregeln kann man Love Letter zu zweit ja leider – wie auch hier schon geschrieben – nicht wirklich empfehlen. Zu viel Zufall, zu wenig Spaß :).

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