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Gepostet by on 13.03.2015 in Allgemein, Strategiespiele |

Imperial 2030

Imperial 2030

Test


Es ist ungemein befriedigend etwas aufzubauen, aus wenig mehr zu machen und am Ende aus dem Nichts eine florierende Farm, eine boomende Karibikinsel oder ein Eisenbahn-Imperium aus dem Boden gestampft zu haben. Genau aus diesem Gefühl ziehen Spiele wie Agricola, Puerto Rico oder Russian Railroads ihren großen Reiz – und genau dieses Gefühl steht einem Spieler im Weg, der bei Imperial 2030 erfolgreich sein will.

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Was auf den ersten Blick wie ein großes Strategiespiel rund um Krieg und Politik wirkt, ist in Wirklichkeit eine hochspannende Simulation aktiver Kapitalströme, in der man ohne mit der Wimper zu zucken Staaten fallen lässt, zwei Konfliktparteien gleichzeitig unterstützt oder auch mal Krieg führt um Kosten zu sparen. Das klingt verrückt und für ein Brettspiel irgendwie seltsam abstrakt, bietet aber nicht nur eine explosive Mischung aus Spaß und Spannung, sondern sorgt auch dafür, dass Imperial 2030 hell leuchtend aus der grauen Masse der Brettspiele hervortritt. Willkommen in der Zukunft.

Imperial 2030 Brettspiel

Eine Welt am Abgrund


Imperial 2030 versetzt bis zu sechs Spieler in eine Zeit, in der Brasilien, die USA, Europa, Russland, China und Indien die Welt machtpolitisch unter sich aufgeteilt haben. Da viel aber natürlich nie genug sein kann, überziehen die Staaten den Globus im Streben nach Macht und Einfluss mit Krieg. Panzer und Schiffe verlassen Werften und Fabriken, Bleigeruch und rauchende Trümmer bestimmen die Szenerie – solange das Geld fließt. Denn ohne bare Münze stehen Fließbänder still und Soldaten nicht mehr lange auf der Gehaltsliste. Über die Zukunft des blauen Planeten entscheiden nicht Staatschefs, sondern Investoren.

Der Spielablauf in Imperial 2030


Auf den ersten Blick ist Imperial 2030 ein typisches Rondell-Spiel, wie man es von Mac Gerdts und dem PD-Verlag gewohnt ist. Auf dem Aktionsrondell ziehen Staaten beginnend bei Russland bis zu drei Felder kostenlos vorwärts, wählen zwischen Aktionen wie dem Bau von Fabriken, der Produktion oder dem Import von Panzern und Schlachtkreuzern, treiben Steuern ein oder lassen die erworbenen Truppen in militärische Manöver ziehen. Die Staaten wohlgemerkt, nicht die Spieler – Begrifflichkeiten, die man in diesem Spiel fein säuberlich trennen muss.

Von Investoren und Staatsanleihen


Im Gegensatz zu traditioneller Weltkartenstrategie sind die Spieler hier nämlich in erster Linie Investoren, die im Hintergrund die Fäden ziehen. An jedes Land können insgesamt neun durch stabile Pappkärtchen dargestellte Kredite vergeben werden, vom kleinen 2-Millionen-Kredit bis zum 30-Millionen-Darlehen. Um das Ganze etwas intuitiver zu machen: Die Spieler kaufen praktisch Staatsanleihen, die im Optimalfall im Laufe des Spiels Rendite und am Spielende einen Haufen Siegpunkte einbringen.

Zu Beginn einer Partie Imperial 2030 wird zufällig zugeteilt, von welchem Land ein Spieler die Karte mit dem 9-Millionen-Kredit erhält und von welchem den für zwei Millionen, zwei weitere Millionen bilden das Startkapital. Das Geld für die Kredite geht dabei direkt an die Staaten – habe ich China neun Millionen bewilligt, erhalte ich den entsprechenden Kreditmarker und die chinesische Staatskasse (zu finden auf dem Spielplan) freut sich über frisches Geld. Wenn sechs Spieler mitspielen, befinden sich demnach zu Spielbeginn in den Tresoren aller Nationen volle elf Millionen.

Der Spieler, der die größten Anteile an einem Land besitzt, erhält symbolisch die Landesflagge und übernimmt die Rolle des Regierungschefs. Als solcher steuert er die Geschicke eines Staates, bewegt den Aktionsmarker auf dem Rondell und führt die Aktionen durch. Zu sehr sollte man sich allerdings nicht an das Amt gewöhnen, denn sobald ein anderer Spieler die Anteilsmehrheit erreicht, wechselt der Staat den Besitzer.

Imperial 2030 Test

Der Investorzug


Neben den bereits erwähnten Feldern wie Manöver oder Produktion enthält das Rondell in Imperial 2030 ein Aktionsfeld mit der Aufschrift „Investor“. Sobald der Aktionsmarker einer Nation dieses Feld betritt, passiert zweierlei: Zum einen erhalten die Geldgeber dieses Landes ihre Rendite, zum anderen bekommt der Spieler, der derzeit im Besitz der Investorkarte ist, zwei Millionen und darf einem Staat seiner Wahl einen neuen Kredit bewilligen oder einen alten aufstocken. Die Investorkarte wandert danach im Uhrzeigersinn weiter an den nächsten Spieler. Der zweite Schritt, das neue Investment, wird dabei auch dann durchgeführt, wenn ein Staat das Feld bloß überschreitet.

Ein Geldsegen mit Tücken


Es gibt verschiedene Gründe dafür, das Investorfeld nicht jedes Mal zu betreten. Zum einen enthält die Staatskasse nicht immer genug Geld um alle Investoren auszuzahlen – zunächst erhalten dabei alle anderen Spieler ihren Anteil, erst abschließend der Regierungschef. Zum anderen steht das ausgezahlte Geld dem Staat natürlich hinterher nicht mehr zur Verfügung, etwa um neue Fabriken zu bauen oder Einheiten zu finanzieren, eine Auszahlung will also gut überlegt sein.

Wer in Imperial 2030 zu sehr an die Nation denkt, die er gerade führt, und zu wenig an das Wohlergehen der eigenen Brieftasche, kann sich allerdings schnell am Ende des Siegpunktleiste wiederfinden. Um die Entscheidung noch schwieriger zu machen, muss außerdem bedacht werden, dass nur ein attraktiver Staat weitere Investoren anlockt. Und nur wenn das gelingt, kann dieser das Rennen um Macht und Einfluss gewinnen.

Die Steuer – eine Frage der Größe


Wenn eine Nation auf dem Rondell auf das Steuerfeld zieht, wird wie zu erwarten Geld in die Staatskasse gespült. Für jede der maximal vier Fabriken gibt es zwei Millionen, für jedes derzeit besetzte neutrale Land auf der Weltkarte einen weiteren großen Schein. Abgezogen werden die Unterhaltskosten für die Militäreinheiten und für seine gute Arbeit erhält der Regierungschef außerdem einen ganz privaten Bonus von bis zu fünf Millionen aus den Steuereinnahmen. Je höher die Einkünfte eines Landes sind, desto mehr Einflusspunkte gewinnt es, erreicht ein Staat Feld 25 der Einflussleiste ist das Spiel sofort vorbei.

Spielende und Siegpunkte


Die neun Kredite, die den Staaten bewilligt werden können, sind von eins bis neun durchnummeriert. Diese Zahl sagt zum einen aus, wieviel Geld der Spieler bei einer Auszahlung erhält, zum anderen sind dies die Siegpunkte, die am Spielende mit dem Einflussfaktor der Nation multipliziert werden. Im schlimmsten Fall sind die Anleihen nichts wert, im besten bringt der Neuner-Kredit satte 45 Siegpunkte. Nachdem jeder Spieler seine Kredite ausgewertet hat, wird noch das Privatvermögen auf diese Zahl draufgeschlagen, bevor der Sieger feststeht.

Imperial 2030 Nationen

Kriegs- oder Wirtschaftssimulation?


Imperial 2030 stellt Spielern hochinteressante Fragen. Ist es die richtige Entscheidung, in das Fundament eines Staates zu investieren, ihn als Regierungschef Fabriken bauen zu lassen um kostenlos Militäreinheiten produzieren zu können und die Steuereinnahmen zu erhöhen? Dafür wird es aber wahrscheinlich zunächst keine Auszahlungen geben. Sollte nicht doch besser das Geld herausgepresst und in ein anderes Land investiert werden? Und welches wird wohl den größten Gewinn abwerfen?

Kein Spiel, das wie Imperial 2030 völlig ohne Glück auskommt (die Kämpfe sind wie etwa in Antike ein reines Abtauschen von Einheiten), hat mich je vor derart unberechenbare Situationen gestellt. Das liegt daran, dass hier im Kleinen ein dynamischer Markt simuliert wird – hier wie dort kann man oft nur erahnen, welche Investition heiß laufen und auch andere Geldgeber anlocken wird und welche schließlich totes Kapital bleibt. Eine einzige gute Steuerrunde kann einen Run auf Staatsanleihen auslösen, während manche Staaten sich zwar beständig in der Einflusswertung verbessern, aber aus nicht immer nachvollziehbaren Gründen trotzdem kaum finanziert werden.

Scheinkriege und Strippenzieher


Es gibt selten Strategiespiele, die einen derart hohen Interaktionsfaktor haben. Auf dem Spielbrett tragen die Staaten ihre Konflikte aus, am Tisch belauern sich die Investoren. Die Kontrolle über einen Staat und damit die Aussicht auf Steuerboni kann jederzeit gewonnen und verloren werden und auf dem Spielbrett zählt irgendwann nur noch die Investition. Sollte ich als russischer Staatschef nicht besser das Feld für China räumen und Afghanistan und die Mongolei kampflos hergeben? Immerhin bin ich auch dort Investor und die Volksrepublik liegt besser im Rennen als die ehemalige Sowjetunion. Oder baue ich darauf, dass der Wert meiner russischen Staatsanleihen noch steigt?

Natürlich könnte ich Russland auch einfach seinem Schicksal überlassen, die Staatskasse plündern, und mit dem frischen Geld die Regierungsverantwortung im Nachbarland übernehmen. Da die Zahl der gleichzeitig kontrollierbaren Staaten nicht begrenzt ist, kann ich nun in einem Scheinkrieg meine chinesischen Einheiten ganz gezielt und ohne Gebietsverluste von den russischen Armeen dezimieren lassen um für die kommende Steuerauszahlung die Kosten zu reduzieren, die Staatskasse klingeln zu lassen und damit so sicher neue Investitionen anzulocken wie das bei Motten und Licht der Fall ist. Klingt verrückt? Willkommen im ganz normalen Wahnsinn von Imperial 2030.

Neutrale Schweizer


Ebenso wie es möglich ist, mehrere Staaten auf einmal zu kontrollieren, kann es passieren, dass sich ein Spieler auf einmal völlig ohne Regierungsverantwortung wiederfindet. Als Schweizer Bank hat man in diesem Fall nicht nur die Möglichkeit, in jeder Investitionsrunde einen Kredit zu vergeben, sondern kann einen Staat, an dem man beteiligt ist, dazu zwingen auf dem Investorfeld anzuhalten. Gerade in der Mitte des Spiels kann es deswegen sogar dazu kommen, dass Spieler bewusst darauf hinarbeiten, in die neutrale Mitte Europas zu kommen. Gegen Ende sollte diese Rolle allerdings allein für die Bonuszahlungen bei der Steuer wieder abgegeben werden.

Imperial 2030 Strategie

Fazit – wie gut ist Imperial 2030?


Im Text wurde bisher nicht an Begeisterung gespart und auch abschließend kann ich nur betonen, was für ein einzigartiges Spielerlebnis Imperial 2030 bietet. Neigt man als Neuling oftmals noch dazu, sich zu sehr an ein Land zu binden und „seine“ Nation zum Erfolg führen zu wollen, begreift man irgendwann, dass die wahren Spielfiguren hier nicht die Panzer und Schiffe, sondern die Geldscheine sind. Da die Kredite mit steigendem Preis immer weniger Rendite bringen, sollte man sich unbedingt breit aufzustellen um jederzeit flexibel zu bleiben und schließlich den richtigen Moment dafür zu finden, ganz vorne auf den richtigen Zug aufzuspringen.

Die Kombination aus strategischer Expansion und geschickten Manövern auf dem Spielbrett und eiskalt kalkulierten Entscheidungen in der Rolle als Investor sorgt wieder und wieder für Spannung und plötzliche Wendungen. Frust und hochgradig befriedigende Momente liegen hier extrem dicht beieinander. Imperial 2030 ist meiner Meinung nach dank einiger Regelanpassungen und aufgrund des offeneren Spielplans sogar noch besser als der zur Zeit des ersten Weltkriegs spielende Vorgänger Imperial.

Ein Wort zum Material: funktional. Die Optik sorgt sicherlich bei niemandem für Begeisterung, aber schlecht sieht das Spiel auch nicht aus. Holzfiguren und dicke Pappe stehen für gute Produktionswerte. Eine gut strukturierte und ausreichend bebilderte Anleitung erklärt die wenigen Regeln.

Imperial 2030 ist das für mich bisher beste Spiel aus dem Hause PD – allerdings mit einer Einschränkung: Die Spielerzahl sollte vier nicht unterschreiten, denn nur dann kann sich die Interaktion so richtig entfalten. Eine Partie zu dritt verlief sehr unspektakulär, während in Runden mit vier Spielern oder mehr nur wenig an dieses großartige Spiel heranreicht. Auf dieser Website geht es um die besten Brettspiele und Imperial 2030 mit seiner Schlichtheit, seiner Komplexität und dem ungeheuren Wiederspielreiz zählt zweifelsohne dazu.

Hat dir diese Rezension gefallen? Sag uns gerne in den Kommentaren deine Meinung – wir freuen uns riesig über Lob, Anregungen und Kritik.

Imperial 2030

Imperial 2030
9

Strategie/Taktik

10/10

    Interaktion

    9/10

      Anleitung/Material

      7/10

        Spielspaß

        9/10

          Pro

          • - Extrem gut gelungene Mischung aus Expansions- und Wirtschaftsspiel
          • - Ständig mögliche Regierungswechsel sorgen für stetige Spannung
          • - Hochinteressantes Spielgefühl durch die Rolle als Investor
          • - Das Aktionsrondell sorgt für einen unglaublich flüssigen Ablauf
          • - Ab vier Spielern einfach ein großartiges Brettspiel

          Contra

          • - Erst ab vier Spielern wirklich gut
          • - Für einige Staaten ist es einfacher zu expandieren, als für andere