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Gepostet by on 29.05.2015 in Allgemein, Strategiespiele, Workerplacement | Keine Kommentare

Dungeon Petz

Dungeon Petz

Brettspiel Test


Dies ist die erste Gastkritik auf dieser Seite. Wer mehr über den Autor Jens erfahren möchte (z.B. seine Lieblingsspiele zur besseren Einordnung der Kritik), wird in der Autorenrubrik fündig.

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Direkt zur Wertung

Heute ist Ork Schweinebacke (ein verfressener und dreckiger Zeitgenosse) auf Einkaufstour und sucht ein neues Kuschelmonster, das so ist wie er. Unser Kuschelmonster Würmel ist schon einige Runden alt, frisst uns mittlerweile die Haare vom Kopf und verdreckt seinen Käfig ohne Ende; das passt doch! Zum Glück haben wir in der letzten Runde vorgesorgt und reichlich Gemüse eingekauft, so dass Würmel ordentlich zu fressen hat. Ork Schweinebacke ist auch sichtlich angetan und der Deal ist perfekt. Jetzt erhalten wir nicht nur Goldstücke sondern auch massig Ansehen. Und darum geht es, denn wer das meiste Ansehen hat, gewinnt am Ende. Willkommen bei den Dungeon Petz!

Dungeon Petz Brettspiel Test

Wer den Vorgänger Dungeon Lords kennt, wird den Look und die Symbolik wiedererkennen. Außer der Welt haben die beiden Spiele aber wenig gemeinsam. In Dungeon Petz kontrollieren 2-4 Spieler die Geschicke jeweils einer Koboldsippe, die noch im Vorgänger im Dungeon geschuftet hatte. Nachdem sich jedoch einige tapfere Recken zusammengetan und den Dungeon in Schutt und Asche gelegt hatten, suchten die Kobolde eine neue Anstellung und gründeten einen eigenen Zooladen, um Dungeon Petz an ihre alten Herren zu verkaufen.

Der Spielablauf in Dungeon Petz


Zentrales Thema sind die Kuschelmonster, auch Viecher genannt, um die sich alles dreht und die den Spielern mit Hilfe zweier grundlegender zentraler Mechanismen zu Ruhm und Ansehen verhelfen. Der erste davon ist das Einsetzen von Arbeitern: Wie für einen Vertreter eines Workerplacement-Spiels typisch, geschieht dies auf einem zentralen Spielplan, auf dem diverse Aktionsfelder abgebildet sind.

Folgende Aktionen können dabei unter anderem durchgeführt werden:

  • Futter kaufen: Fleisch und oder Gemüse werden an die Dungeon Petz verfüttert.
  • Ein Artefakt erwerben: Diese bringen einen Bonus, wie z.B. der Kühlschrank, in dem Futter nicht mehr mit der Zeit vergammelt.
  • Einen Käfig bauen: In diesem werden die Kuschelmonster untergebracht. Man startet mit einem Standardkäfig. Bis zu drei weitere Käfige können im Verlauf des Spiels dazugekauft werden.
  • Käfige durch einen Anbau verbessern: Mit diesem werden die Eigenschaften eines Käfigs verbessert, wie z.B. eine erhöhte Magieresistenz.
  • Neue Dungeon Petz kaufen.
  • Einwandererbehörde: Hier bekommt man weitere Kobolde (=Arbeiter).

Anders als bei klassischen Workerplacement Spielen setzt man nicht der Reihe nach Arbeiter ein, sondern bildet aus seinem Vorrat an Kobolden verdeckt kleine Gruppen. Das Spielertableau hilft hierbei ungemein, da sich ein Deckschirm hochklappen lässt, so dass die Mitspieler die eigenen Gruppen nicht einsehen können. Haben alle Spieler ihre Gruppen zusammengestellt, werden die Deckschirme heruntergeklappt und die Spielerreihenfolge ermittelt. Die größte Gruppe darf zuerst losziehen und eine Aktion direkt durchführen. Danach kommt die nächstgrößere Gruppe dran bis alle Kobolde eingesetzt wurden.

Hier steht man also schon vor seinem ersten Dilemma. Bilde ich eine oder zwei große Gruppen, um möglichst als erster dran zu sein und die begehrte Aktion garantiert zu bekommen, oder lieber mehrere kleinere Gruppen, um möglichst viele Aktionen durchführen zu können? Dabei gilt es seine Mitspieler im Auge zu behalten: Wer z.B. keinen freien Käfig für neue Dungeon Petz hat, wird auch bestimmt kein neues kaufen. Oder wer gefräßige Kuschelmonster besitzt, dafür aber keinerlei Gemüse oder Fleisch im Vorrat, wird bestimmt beim Futtermarkt vorbeischauen wollen.

Dungeon Petz Material

Das Hegen und Pflegen der Dungeon Petz


Nach der Shoppingtour wollen die Dungeon Petz versorgt werden. Hier kommt der zweite zentrale Mechanismus zum Tragen: Jedes Kuschelmonster hat Bedürfnisse, die man nach Möglichkeit erfüllen sollte. Junge Monster starten mit nur zwei Bedürfnissen, mit jeder Runde altern die Viecher jedoch und es kommen weitere dazu. Dies ist genial durch einen Drehmechanismus gelöst und wird sehr anschaulich dargestellt. So werden am Monster selbst durch das Verdrehen von zwei aneinander befestigten Pappteilen nach und nach weitere Bedürfnisse aufgedeckt.

Doch der Reihe nach. Zuerst ordnet man jedem Dungeon Petz einen Käfig zu. Sitzt jedes Kuschelmonster in seinem Käfig, werden sogenannte Bedürfniskarten gezogen. Hiervon gibt es vier Arten: grün (hat Hunger), rot (ist sauer), gelb (will spielen) und lila (zaubert). Jedem Kuschelmonster muss jetzt die entsprechende Anzahl Bedürfniskarten zugeordnet werden.

Der Clou dabei ist, dass sich hinter einer grünen Karte nicht immer auch ein „hat Hunger“ Bedürfnis versteckt, sondern auch mal eins der anderen drei. Diese Glückskomponente führt zu einer gewissen Planungsunsicherheit – wer also ein Kuschelmonster nur mir gelben Bedürfnissen hat, kann nicht automatisch davon ausgehen, dass es nur spielen will. Zeigen die gelben Karten kein „will spielen“ -Bedürfnis, sondern z.B. „ist sauer“, kann man ein Problem kriegen, wenn der Käfig nicht stark genug ist um das aggressive Jungmonster zu bändigen. Hier kann es trotz guter Planung passieren, dass das Kuschelmonster davonläuft, sich in ein Paralleluniversum beamt oder gar stirbt.

Dieser Zufallsfaktor lässt sich durch die Fortgeschrittenenregel etwas aufweichen. Die Bedürfniskarten lassen sich nämlich auf zwei Weisen spielen: Zeigt eine Karte ein Bedürfnis, welches nicht dem Hauptbedürfnis der jeweiligen Kartenfarbe entspricht (Beispiel: eine lila Karte zeigt „hat Hunger“ an), so kann die Karte so ausgespielt werden, dass das Hauptbedürfnis („will zaubern“) sowie das auf der Karte angegebene Bedürfnis („hat Hunger“) gleichzeitig erfüllt werden müssen. Das ist dann zwar etwas schwieriger, für die Siegpunktvergabe aber entscheidend.

Die Dungeon Petz bitten zur Schau


Ab der zweiten Runde lässt man seine Dungeon Petz bei Kuschelmonsterschauen antreten, um Ansehen (Siegpunkte) zu erhalten. Diese sind jeweils eine Runde im Voraus bekannt, so dass man entsprechend planen kann. Hierbei werden die in der vorherigen Phase zugeordneten Bedürfniskarten gewertet, beim Mampf-Match z.B. „hat Hunger“ Bedürfnisse. Je mehr davon man seinem Kuschelmonster also zugeordnet hat, desto mehr Punkte bekommt man. Durch das Aktionsfeld „Bestechen“ erhält man hier noch Bonuspunkte. Am Ende der Schau gibt es für die jeweilige Platzierung des Kuschelmonsters Ansehen.

Dungeon Petz Bedürfnisse

Verkäufe, Wertungen und Spielende


Ab der dritten Runde kommen schließlich die Herren der umliegenden Dungeons vorbei, um neue Dungeon Petz zu kaufen. Jeder von ihnen legt auf unterschiedliche Bedürfnisse besonderen Wert. So möchte der Hexer z.B. ein Viech haben, das besonders viel zaubert. Anders als bei der Schau werden hier die Punkte direkt in Ansehen umgewandelt und man erhält einige Goldstücke. Wer in der Aktionsphase einen Kobold auf das Aktionsfeld „Podium“ gesetzt hat, kann sein Kuschelmonster hierüber verkaufen, und erhält entsprechend erheblich mehr Siegpunkte.

Nach der letzten Runde gibt es noch eine Abschlusswertung. Wer danach das meiste Ansehen besitzt, ist der Gewinner.

Anleitung und Material von Dungeon Petz


Die Anleitung ist, wie für Spiele von Vlaada Chvatil typisch, sehr lustig und unterhaltsam geschrieben, so dass einem das Regelstudium trotz eines 20 Seiten umfassenden Regelhefts relativ leicht fällt und sogar Spaß macht. Man muss sich eben nicht durch einen trockenen Text arbeiten. Der Spielablauf ist klar und eindeutig beschrieben und mit vielen Beispielen versehen, so dass keine Fragen offen bleiben.

Das Material ist sehr gut gelungen und die Grafik ist wunderbar atmosphärisch und stimmig. Alles ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet und gezeichnet. So werden z.B. aufmerksame Spieler auf dem Hauptspielplan eine kleine Gruppe von Kobolden entdecken, die eine Partie Dungeon Lords spielen. Zudem sind die Komponenten auch sehr praktikabel, wie z.B. das Spielertableau mit dem hochklappbaren Verdeck und die Dungeon Petz, die mit ihren Bedürfnissen altern.

Dungeon Petz Überblick

Fazit


Dungeon Petz ist ein gutes und unterhaltsames Spiel. Der Look ist sehr ansprechend und es macht Spaß, seinen Zooladen langsam auszubauen und den hauseigenen Dungeon Petz beim Wachsen zuzusehen.

Die Interaktion ist allerdings lediglich beim Workerplacement Teil gegeben, wo man sich Aktionsfelder gegenseitig wegschnappen kann. Ansonsten spielt jeder eher vor sich hin. In unseren Spielrunden wurden beim Zuordnen der Bedürfniskarten immer kleine Geschichten zu den Kuschelmonstern erzählt, eine lustige Idee, die dafür sorgt, dass nicht jeder still vor sich hingrübelt.

Hardcore-Strategen wird vielleicht der Glücksanteil beim Ziehen der Bedürfniskarten nicht gefallen. Es kann schon echt ärgerlich sein, wenn man drei grüne Karten ziehen muss und kein einziges „hat Hunger“ Bedürfnis dabei ist. Auch durch die Fortgeschrittenenregel kann es immer noch verdammt schwer sein, die vielen Bedürfnisse der Kuschelmonster zu erfüllen. Ich finde diesen Glücksfaktor allerdings nachvollziehbar, denn Kuschelmonster lassen sich eben nicht kontrollieren. Wen der kleine Glücksanteil nicht stört, der hat mit Dungeon Petz ein atmosphärisches und abwechslungsreiches Spiel.

Hat dir diese Rezension gefallen? Sag uns gerne in den Kommentaren deine Meinung – wir freuen uns riesig über Lob, Anregungen und Kritik. Gerne auch ein Feedback zur ersten Kritik von Jens.

In meiner persönlichen Wertung würde Dungeon Petz mit 7 Punkten abschneiden. Ein schönes Spiel, aber auch wegen des hohen Glücksfaktors wollte der Funke nie zu 100% springen.

Dungeon Petz

Dungeon Petz
8.5

Strategie/Taktik

7/10

    Interaktion

    3/10

      Anleitung/Material

      9/10

        Spielspaß

        9/10

          Pro

          • - Gut durchdachtes Workerplacement Spiel
          • - Stimmiger und atmosphärischer Look

          Contra

          • - Kleiner Glücksanteil

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