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Gepostet by on 23.02.2015 in Allgemein, Strategiespiele, Thematisches Spiel | Keine Kommentare

Der Eiserne Thron

Der Eiserne Thron

Brettspiel in Westeros


1996 erschien mit „A Game of Thrones“ der erste Band der damals als Trilogie angelegten „A Song of Ice and Fire“-Reihe. Vier Bücher und eine unglaublich erfolgreiche Serie später ist die Welt von Westeros längst kollektive Popkultur geworden und die Marke wird natürlich gnadenlos ausgeschlachtet. Zwischen Computerspielen, Kartenspielen und Kochbüchern (!) wurde das bis heute wohl einzig wirklich gute Nebenprodukt interessanterweise lange vor dem Hype veröffentlicht, als die Reihe noch einfach nur verdammt gut geschriebene, erwachsene Fantasy war. Die Rede ist vom 2003 erschienenen Brettspiel „Der Eiserne Thron“.

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Bis zu sechs Spieler werden darin zu Anführern der größten Adelshäuser von Westeros und kämpfen um die Krone des Kontinents. Die wird natürlich nicht auf dem Silbertablett überreicht, sondern erfordert siegreiche Schlachten, geschickte Bündnisse und das richtige Nutzen von Macht und Einfluss. Der Eiserne Thron ist in der Brettspielvariante ein knackiges Strategiespiel, das kluge Planung und taktisches Kalkül verlangt, aber – wie könnte es bei der Vorlage anders sein – ohne Diplomatie und Intrigen kaum gewonnen werden kann. Vorweg: Auch wenn die Fotos die erste Auflage von 2003 darstellen, geht es in diesem Test um die optisch und spieltechnisch verbesserte zweite Auflage von 2011.

Der Eiserne Thron 2. Edition

Der Spielablauf


Jede der maximal zehn Runden wird in mehreren Phasen gespielt, mit Ausnahme der ersten Runde immer beginnend mit der Westeros-Phase. Von drei gut gemischten Kartenstapeln werden dabei die obersten Karten gezogen und ausgeführt – gleichzeitig der einzige Glücksfaktor im Spiel. Die Karten setzen meistens Ereignisse in Gang, die den weiteren Verlauf des Spiels stark beeinflussen können und sich oft ganz direkt auf die folgende Planungs- und die Aktionsphase auswirken.

Die Westeros-Phase im Detail


Der erste Stapel enthält Karten, die den Spielern erlauben, neue Truppen (Fußsoldaten, Ritter, Belagerungstürme und Schiffe) auszuheben oder den Stand ihrer Versorgung den Verschiebungen auf dem Spielplan anzupassen. Zumeist auf die Planungsphase beziehen sich die Karten des dritten Stapels und sorgen dort für geänderte Spielregeln, indem etwa die Nutzung bestimmter Befehle verboten wird. Im zweiten Stapel wartet mit der Königsfehde unter anderem ein Ereignis, das die politische Landschaft von Westeros komplett verändern kann und deshalb nun ein wenig ausführlicher erklärt werden soll.

Im Brettspiel „Der Eiserne Thron“ werden Dinge wie die Spielerreihenfolge nicht vorher bestimmt, sondern über die drei Einflussleisten Thronfolge, Lehen und Königshof geregelt. Wer auf welcher Leiste wo steht, entscheidet die Königsfehde, in der die Spieler beginnend mit der Thronfolge-Leiste mit ihren erworbenen Einflussmarkern auf gute Positionen bieten – gleichzeitig und verdeckt. Die Thronfolge legt dabei die Spielerreihenfolge fest, die Lehen-Leiste gibt gegen alle schlechter platzierte Häuser einen militärischen Vorteil und eine gute Position auf der Königshof-Leiste erlaubt mehr taktische Vielfalt in der Planungsphase. Die jeweils ersten einer jeden Leiste erhalten außerdem einen weiteren Bonus.

Die Westeros-Phase bringt somit ein nicht zu unterschätzendes Zufallselement ins Spiel und fordert ein gutes Gefühl für Timing und Risiko. In einer Königsfehde alles auf eine Karte zu setzen kann aufgehen, wenn das Ereignis über viele Runden nicht mehr aufgedeckt wird, aber auch gnadenlos scheitern, wenn bereits eine Runde später wieder geboten werden muss. Wer die Situation und seine Mitspieler hier richtig einschätzen und ein Talent zum Pokern und Bluffen in die Waagschale werfen kann, hat oftmals bereits eine Hand an der Krone.

Der Eiserne Thron Brettspiel Hauskarten

Das Herz der guten Strategie: Die Planungsphase


Sind die Karten gezogen und gespielt, folgt die zentrale Phase des Spiels, in der weise Planung die Spreu vom Weizen trennt. Hierfür legen die Spieler auf jede von ihnen kontrollierte Region des Spielplans, in der mindestens eine eigene Einheit steht, einen verdeckten Befehlsmarker. Folgende Befehle stehen zur Wahl:

Marsch – Einheiten aus diesem Gebiet dürfen sich frei in andere Gebiete bewegen, aber dabei nur eine Schlacht auslösen.

Verteidigung gibt den Truppen in dieser Region einen Bonus, wenn sie angegriffen werden sollten.

Unterstützen erlaubt Einheiten, die auf diesem Feld platziert sind, den Eingriff in alle angrenzenden Schlachten, völlig ohne Limit.

Überfall entfernt einen Unterstützen-, Überfall- oder Machtzuwachs-Befehl aus einer anliegenden Region.

Machtzuwachs – liegt dieser Befehl am Ende der Runde noch auf dem Spielplan, erhält der Spieler einen oder mehrere Einflussmarker.

“Der Eiserne Thron” erlaubt hier nicht nur Absprachen, das Spieldesign ermutigt die Spieler sogar dazu. Möchte ich also als Baratheon in Dorne einfallen, sollte ich mir die Unterstützung von Highgarden sichern. Ein solcher Pakt kann kurz in einem anderen Raum oder ganz “zufällig” im Flur geschlossen werden, interessant wird es dann natürlich, wenn auch die anderen beiden sich hinterher kurz zurückziehen. Wer am Ende auf wessen Seite steht, zeigt sich dann erst in der Aktionsphase, in der man oft genug das Messer des Verbündeten im eigenen Rücken spürt. Das ist einerseits ein großer Spaß und fängt die zahllosen Intrigen der Vorlage wunderbar auf, kann aber auch ein echter Stimmungskiller sein. Dazu später mehr.

Der Sturm der Schwerter – die Aktionsphase


Ist alle Planung erledigt, kommt es zur finalen Aktionsphase, die zunächst mit der Ausführung der Überfallbefehle nach Spielerreihenfolge beginnt und die Spieler zum Brandschatzen und Unterbrechen feindlicher Versorgungslinien einlädt. Ist das vollbracht, setzen sich je nach Verteilung der Marsch-Befehle große Heere und kleine Einheitenverbände in Bewegung. Sobald dabei Truppen verschiedener Häuser aufeinandertreffen, kommt es zur Schlacht.

Der Eiserne Thron Brettspiel 2. Edition

Der Kampf in Westeros


Der Eiserne Thron funktioniert völlig ohne Glück in den Scharmützeln, bringt dafür aber eine interessante Poker-Komponente ins Spiel: Die Hauskarten. Jeder Spieler hat zu Beginn des Spiels sieben spezielle und grundverschiedene Hauskarten auf der Hand, auf denen Charaktere passend zur Geschichte abgebildet sind. So kann das Haus Lannister etwa auf die Intrigen von Cersei, das Kampfgeschick von Jamie oder die strategische Weitsicht von Tywin vertrauen, während das Haus Stark bekannte Personen wie John Snow, oder Rob Stark ins Feld führt. Jede dieser Karten besitzt eine Kampfstärke von 0 bis 4 und eine besondere Fähigkeit, die beispielsweise die an diesem Kampf beteiligten Schiffen verstärkt.

Kommt es zur Schlacht, legt jeder der beteiligten Spieler verdeckt eine seiner Hauskarten vor sich ab, deren Kampfstärke wird dann nach dem Umdrehen mit der Stärke der kämpfenden und unterstützenden Einheiten zusammengezählt. Bei Gleichstand entscheidet die Position auf der Lehen-Leiste über Sieg und Niederlage. Unterlegene Einheiten werden übrigens mit Ausnahme von Belagerungstürmen nicht zerstört, sondern dürfen sich zurückziehen, eine zweite verlorene Schlacht in derselben Runde sorgt allerdings für ihre Vernichtung.

Genutzte Hauskarten müssen zwar abgeworfen werden, dürfen allerdings alle wieder aufgenommen werden, sobald die siebte gespielt wurde – diese bleibt allerdings liegen. Wer also in viele Kämpfe verwickelt ist und seine Hauskarten schnell ausspielt, kann schon bald wieder aus dem Vollen schöpfen – ein nicht zu unterschätzendes taktisches Mittel.

Spielende


Sobald ein Spieler sieben Städte oder Festungen kontrolliert, ist das Spiel sofort beendet. Ein einzelner taktischer Husarenritt kann also zum Sieg führen und alle anderen Spieler hilflos zurücklassen. Gelingt das über volle zehn Runden keinem Spieler, gewinnt das am besten positionierte Haus den Platz auf dem eisernen Thron.

Anleitung und Material


Die Anleitung von „Der Eiserne Thron“ erstreckt sich über volle 32 Seiten. Davon sollte sich aber niemand abschrecken lassen, denn sie ist nicht nur sehr ansprechend illustriert, sondern enthält auch viele bebilderte Beispiele, eine übersichtliche Kurzanleitung und eine gesonderte Erklärung aller Karten. Einzig die Strukturierung ist vielleicht etwas eigenwillig – die Bedingungen für das Spielende verstecken sich etwa mitten im Text.

Das Material ist umfangreich und ebenfalls wirklich schön designt. Westeros wird auf dem Spielplan mit schneebedeckten Bergen, fruchtbaren Wiesen und trockenen Steppen in all seiner Pracht abgebildet. Planungs- und Einflussmarker aus dicker Pappe können hinter den mit den Wappen der Häuser versehenen Sichtschirmen vor fremden Blicken versteckt werden. Insbesondere die Illustration der Karten weiß zu gefallen und in die Welt von Eis und Feuer zu entführen. Die Darstellung der Charaktere auf den Hauskarten ist dabei übrigens unabhängig von der Fernsehserie, auch wenn die Neuauflage des Spiels im gleichen Jahr erschien.

Der Eiserne Thron Brettspiel Spielplan

Fazit – Wie spielt sich „Der Eiserne Thron“?


Westeros ist eine faszinierende Welt voller Kämpfe und Intrigen, ein Ort an dem Bündnisse und Verrat Hand in Hand gehen (hallo rote Hochzeit!) und niemand sich seiner Sache jemals zu sicher sein sollte. Es kann also von einer guten Umsetzung gesprochen werden, wenn man diese Elemente auch im „Der Eiserne Thron“-Brettspiel findet und tatsächlich haben sie es aus der Literaturvorlage auf den Spielplan geschafft. Der Grund dafür liegt in der Macht des Unterstützen-Befehls.

Kaum eine Schlacht kann ohne Unterstützung gewonnen werden und manche Gebiete liegen strategisch so günstig, dass sie die Verteidigung ganzer Landstriche ermöglichen. Vor allem der Vorherrschaft über die Meere kommt dabei eine große Bedeutung zu, da diese nicht nur an viele Gebiete angrenzen, sondern auch den schnellen Transport von Einheiten über dort positionierte Schiffe ermöglichen. Oftmals ist es deshalb unmöglich, die Verteidigungslinien eines Gegners ohne Verbündete zu durchbrechen – entsprechend groß ist die Rolle der Diplomatie.

Kein Land für Kavaliere


Ganz ehrlich: Ich liebe die Idee solcher Spiele, ob das Diplomacy oder eben „Der Eiserne Thron“ ist. Praktisch hasse ich es aber, die nötigen Verbündeten nicht zu finden, weil man aufgrund der angenommenen Spielstärke direkt als Feind anvisiert wird. Wer sich von Anfang an einem Bündnis gegenübersieht und von mehreren Seiten eingekesselt wird, hat keine Chance, das Spiel zu gewinnen und kann im schlimmsten Fall sogar komplett ausscheiden. Natürlich ist es eine hohe Kunst, die Mitspieler auf seine Seite zu ziehen, gegeneinander auszuspielen und solange unter dem Radar zu fliegen, bis man auf einmal in der Lage ist, das Spiel in einem Zug zu gewinnen, es kann aber zu Teamsituationen kommen, die mit dem Spiel an sich wenig zu tun haben, wenn etwa der Partner oder der beste Freund mitspielen.

Jeder muss für sich wissen, ob er solche Spiele mag oder nicht. Für mich als Fan des Settings überwiegt der Spielspaß, aber ich würde mich nicht mit jeden in den Kampf um Westeros wagen. In manchen Spielerunden kann es nämlich durchaus zu Streit kommen. Geht es aber, wie im Normalfall üblich, friedlich zu, ist “Der Eiserne Thron” ein tolles Strategiespiels.

Die Geburt eines Reiches


Über friedliche und militärische Ausbreitung, Rekrutierung von neuen Einheiten und verbesserte Versorgung entstehen nach und nach große Reiche und abgeschiedene Enklaven auf dem Spielplan. Die Westeros-Phase sorgt dabei immer für das nötige taktische Element in der großen Strategie und über ihre Unberechenbarkeit für die richtige thematische Würze. Schon wer weder Bücher noch Serie kennt, kommt in den Genuss eines sehr guten Brettspiels, für Fans der Vorlage ist es fast ein Pflichtkauf. Nicht erst wenn geliebte und gehasste Charaktere sich direkt auf dem Schlachtfeld treffen, sondern schon durch die ganze gelungene Aufmachung, wird die Thematik direkt greifbar.

Eine Anmerkung noch zur Spielerzahl: „Der Eiserne Thron“ sollte immer in der Maximalbesetzung von sechs Spielern gespielt werden, da die ansonsten leeren Bereiche der Karten den angrenzenden Häusern einen großen Ausbreitungsvorteil verleihen. Die Regel für neutrale Reiche kann das nicht wirklich verhindern. Wer aber genug Mitspieler versammeln kann, darf sich auf einen heißen Tanz mit tollen Spielelementen und dichter Atmosphäre freuen. Der Winter naht…

Hat dir diese Rezension gefallen? Sag uns gerne in den Kommentaren deine Meinung – wir freuen uns riesig über Lob, Anregungen und Kritik.

Der Eiserne Thron

Der Eiserne Thron
8

Strategie/Taktik

9/10

    Interaktion

    9/10

      Anleitung/Material

      9/10

        Spielspaß

        8/10

          Pro

          • - Tolle thematische Umsetzung einer grandiosen Vorlage
          • - Die Westeros- und die Hauskarten bringen ein hochinteressantes Poker-Element ins Spiel
          • - Kein Glück in den Kämpfen
          • - Diplomatie und Intrige entscheiden über Sieg und Niederlage
          • - Jedes Haus mit anderen Vor- und Nachteilen

          Contra

          • - Nur zu sechst wirklich gut
          • - Diplomatie und Intrige können zu Streit führen
          • - Keine Chance gegen abgesprochene Teams

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