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Gepostet by on 06.09.2015 in Allgemein, Strategiespiele | 4 Kommentare

Concordia

Concordia

Das Spiel neigt sich dem Ende entgegen, völlig aus dem Nichts wurde die letzte Personenkarte aufgedeckt. Noch zwei, vielleicht drei Runden bleiben mir um noch einmal ordentlich zu punkten. Ein Blick auf meine Handkarten verheißt allerdings nichts Gutes, denn die Aktionen, die ich nun bräuchte, liegen bereits im Ablagestapel. Dabei fehlen nur ein paar Ziegel um Tyros und Valentia in mein Handelsnetz einzubinden und damit zwei weitere Provinzen zu besetzen – volle 16 Punkte würde mir das mittlerweile geben! Also was tun? Alle Karten wieder aufnehmen und damit eine Aktion verschwenden, oder darauf spekulieren, dass die Konkurrenz in genau den richtigen Provinzen produziert? Zeit für ein wenig Risiko…

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Concordia bedeutet Eintracht und entsprechend friedlich geht es auch bei diesem erstaunlich Rondell-freien Spiel von Mac Gerdts zu, dem Autor fantastischer Titel wie Imperial 2030, Hamburgum oder Navegador. In Zeiten des römischen Friedens versuchen die Spieler in der Rolle einer römischen Familie ihren Einfluss auszuweiten, Städte und Provinzen mit wirtschaftlichen Mitteln zu besetzen und dabei jederzeit das Beste aus den wenigen Mitteln zu machen. Da sind ständig rauchende Köpfe natürlich vorprogrammiert.

Concordia Spezialistenkarten

Spielplan und Aufbau


„Alle Wege führen nach Rom“ – über den Wahrheitsgehalt dieser altbekannten Aussage darf gerne gestritten werden, in Concordia führen jedenfalls zunächst alle Pfade aus der ewigen Stadt hinaus. Zwischen Circus Maximus und Kolosseum starten die Kolonisten der Familien mit ein paar Ressourcen und ein wenig Geld und versuchen je nach Spielerzahl entweder Italien von Sizilien bis zu den Alpen oder direkt das gesamte antike Europa wirtschaftlich zu erobern. Der angenehm illustrierte Spielplan weist dabei als Ziel der Expansion zwölf Provinzen mit je zwei oder drei Produktionsstädten aus: Lehm und Getreide, Werkzeug, Wein und Stoffe können in allen Teilen der bekannten Welt hergestellt und später teuer verkauft werden. Ein ambitioniertes Unterfangen, das dennoch in einfach aufgebauten Zügen realisiert werden kann.

Ein Rondell aus Karten – der Spielzug


Zwar fehlt das Rondell auf dem Spielplan, die schöne Schlichtheit seines Prinzips findet sich aber auch in Concordia wieder. So beginnt jeder Spieler mit sieben Personenkarten, die ihm, einmal ausgespielt, verschiedene Aktionen erlauben. Nach jeder gespielten Karte ist der nächste Spieler an der Reihe. So bleibt das Spiel angenehm flüssig und aufgrund der schnellen Züge ist man wieder dran, kaum dass man sich zurücklehnen und die angesparten Sesterzen zählen wollte. Folgende Aktionen stehen zur Verfügung:

  • Architekt: Einer Spieler darf alle seine Kolonisten bewegen und Handelshäuser in einer oder mehreren Zielstädten gründen. Je nach Warensorte der ausgewählten Stadt kostet dieser Zug bestimmte Ressourcen und unterschiedlich viel Geld.
  • Präfekt: Entweder produzieren alle Städte einer ausgewählten Provinz die angegebenen Güter, diese wird dann deaktiviert und wirft für den Produzenten noch zusätzlich ihre wertvollste Ware ab, oder alle Provinzen werden auf einen Schlag aktiviert. Als Ausgleich gibt es im letzteren Fall Geld für jede aktivierte Region.
  • Merkator: Bis zu zwei verschiedene Warensorten können hier gehandelt werden, egal ob es dabei um Kaufen oder Verkaufen geht. So könnte ein Spieler etwa drei Tuch verkaufen, zwei Getreide erstehen und den überschüssigen Geldbetrag einstreichen, oder auf das Korn verzichten und neben dem Tuch auch noch Werkzeug verkaufen.
  • Diplomat: Der Diplomat ermöglicht das sofortige Kopieren einer offen liegenden Karte irgendeines Mitspielers.
  • Senator: Der Spieler darf zum Preis einer oder mehrerer Waren eine oder zwei neue Personenkarten kaufen und direkt auf die Hand nehmen.
  • Tribun: Alle abgelegten Handkarten, der Tribun inklusive, werden wieder aufgenommen. Ab einer bestimmten Kartenanzahl gibt es hierfür Münzen, außerdem hat der Spieler die Möglichkeit für ein Werkzeug und ein Getreide einen neue Kolonisten in Rom aufzustellen.

Klingt einfach? Ist einfach! Concordia schafft es tatsächlich, seine gesamten Regeln mit einer bloß vierseitigen Anleitung zu erklären und spielt damit in einer Liga mit Leichtgewichten wie Kingdom Builder. Weitere Karten, die man erst im Laufe des Spiels kaufen kann, erhöhen die Aktionsvielfalt zwar noch, das Grundgerüst bleibt allerdings extrem simpel – ohne dabei auch nur für einen einzigen Augenblick an Komplexität einzubüßen.

Concordia Brettspiel

Verzahnung und Verflechtung


Kolonisten bewegen um das Familienimperium zu vergrößern, Waren produzieren, handeln und neue Personenkarten kaufen. Nach dem Prinizp laufen viele Runden ab, während die eigene Kartenhand runtergespielt wird. Schon der Diplomat sorgt allerdings zu Beginn dafür, dass das Spiel nicht in einem eintönigen Spielfluss versackt. Kopiert man zu Anfang den Architekten des Mitspielers, um noch vor dem erstmaligen Spielen des Tribuns weitere Städte gründen zu können? Oder setzt man zu Beginn auf Produktion, kassiert mehrfach den wertvollen Bonus und sichert sich damit eine gute ökonomische Basis für den Rest des Spiels?

Deckbuilding in Concordia


Schon die ersten Karten legen zwar die Grundlage für Erfolg oder Misserfolg, eine konsequente Strategie wird allerdings zumeist erst im Lauf des Spiels entwickelt. Dort sorgt der Zukauf neuer Personenkarten dafür, dass man sich als Spieler immer weiter spezialisiert, sein Kartendeck verfeinert und sich irgendwann wunderbar funktionierende Kreisläufe aufbauen kann. Neben dem Deckbuilding-Charakter haben die Karten in Concordia außerdem noch eine zweite, sehr wichtige Funktion: sie geben Siegpunkte.

Ein göttliches Finale


Vesta, Jupiter oder Saturn – jede der Karten ist einer Gottheit zugewiesen, die am Ende über Sieg und Niederlage entscheidet. So bringt etwa eine Mars-Karte zwei Siegpunkte für jeden Kolonisten auf dem Spielplan und jeder Hinweis auf Saturn einen Siegpunkt pro angeschlossener Provinz. Da die meisten der Karten in Concordia für genau die Aktionen Punkte abwerfen, die man mit ihnen durchführen kann, ist eine Spezialisierung also doppelt sinnvoll. Ein Nachteil ist allerdings der spielerische Blindflug, da nur genau einmal, am Ende des Spiels, gewertet wird. Das ist erreicht, wenn entweder die letzte Personenkarte erworben wurde, oder ein Spieler alle Häuser auf dem Spielplan platzieren konnte. Bis dahin helfen nur Schätzen und ein genaues Beobachten der Mitspieler.

Concordia Test

Interaktion im Mittelmeerraum


Kein Handel, kein Kampf, keine Diplomatie, sondern einfach friedlich entspannte Aufbaustrategie. Concordia ist sicher kein Musterbeispiel für ein interaktives Spiel, bietet hier allerdings doch viel mehr, als man auf den ersten Blick denken könnte. Dass Bauplätze teurer werden, wenn andere Spieler dort schon tätig geworden sind, ist bloß der offensichtlichste Faktor. Viel interessanter wird die Verzahnung durch Produktion und kopierte Karten. Wer in einer Provinz als einziger Spieler gebaut hat, muss für einen Ertrag jedes Mal einen eigenen Präfekten spielen. Sucht man hingegen die Nachbarschaft der anderen Familien, kann ständig von den Aktionen der Mitspieler profitiert werden. Nicht nur deshalb ist ein Spiel in voller Besetzung von fünf Spielern nach weniger Zügen vorbei als eine Partie zu zweit.

Strategie und Bauchgefühl


Wie viel Strategie steckt tatsächlich in Concordia? Es gibt Stimmen, die behaupten, am Ende würde einfach der Spieler gewinnen, der es geschafft hat, die meisten Karten zu ergattern. Das deckt sich zwar teilweise tatsächlich mit unseren Erfahrungen, aber um erst zu dem Punkt zu kommen, sich viele Karten leisten zu können, muss es gelingen, funktionierende Warenkreisläufe aufzubauen – was wiederum nur mit einer Spezialisierung optimal funktioniert und trotzdem auf vielfältige Weise erreicht werden kann.

So setzten manche Spieler auf eine Basis von nur vier oder fünf Städten, die fast alle das überaus wertvolle Tuch herstellten, und konnten durch den massiven Bau von Kolonisten und den Kauf entsprechender Karten dennoch weit über hundert Punkte erzielen. Andere Spieler wählten den Weg einer vielfältigen Produktion und legten dabei einen Schwerpunkt auf den Handel, wieder andere expandierten einfach extrem schnell durch die massive Kolonisierung günstiger Städte und suchten ihr Heil in Saturn- und dazugekauften Spezialistenkarten. Concordia bietet hier auf jeden Fall genug Vielfalt um auch nach vielen Partien noch extrem reizvoll zu sein, ganz ohne heutzutage so beliebten modularen Aufbau.

Concordia Warenkreislauf

Liebe zum Detail – das Material


Concordia überzeugt durch sein stimmiges Design und schönes Holzmaterial, weder für Spielfiguren noch für Ressourcen wurde auf Plastik zurückgegriffen. Dabei hat man es zur Abwechslung nicht mit einfallslosen Rohstoff-Würfeln zu tun, die einzelnen Waren sehen wirklich aus wie Weinamphoren, Kornähren oder Ziegelsteine, eine willkommene Ausnahme. Dass für verschiedene Spielerzahlen unterschiedliche Spielpläne entworfen werden und der Verlag ein Informationsheft über die alten römischen Götter und historische Informationen beilegt, sieht man auch nicht alle Tage. Hier darf man sich also nicht vom vielleicht nicht ganz so ansprechenden Artwork der Schachtel abschrecken lassen: Das Material ist im Gesamtpaket wahnsinnig gut.

Fazit – wie gut ist Concordia?


Concordia ist eins dieser Spiele, die auf lange Sicht immer wieder auf den Tisch kommen werden, einfach weil es sich so unglaublich flüssig spielt, eigentlich nie über zwei Stunden dauert und diese Grenze teilweise sogar deutlich unterschreitet. Dennoch ist es ein komplexes Schwergewicht, in dem man jeden Schritt abwägen muss, gleichzeitig aber nie zu weit voraus planen kann, da immer nur sieben Personenkarten zur Zeit offen ausliegen. Oft kauft man also einfach was da ist und steht vor der Herausforderung, die neuen Karten trotzdem sinnvoll in die eigene Strategie einzubinden. Das macht nicht nur Spaß, es fühlt sich zudem nie trocken an und kann ungemein befriedigend sein.

Zum perfekten Spiel fehlt mir bei Concordia zwar persönlich das besondere Element, allen Fans flotter Aufbaustrategie kann ich die Reise in den romanisierten Mittelmeerraum aber trotzdem wärmstens ans Herz legen. Viel Spaß beim Kolonisieren, Produzieren und Handeln!

Hat dir diese Rezension gefallen oder bist du anderer Meinung? Hinterlasse gerne einen Kommentar – wir freuen uns riesig über Lob, Anregungen und Kritik.

Concordia

Concordia
8.5

Strategie/Taktik

9/10

    Interaktion

    4/10

      Anleitung/Material

      10/10

        Spielspaß

        9/10

          Pro

          • - Flüssiges Spielprinzip, relativ kurze Spieldauer
          • - Wenig Leerlauf zwischen den eigenen Zügen
          • - Verschiedene Strategien führen zum Sieg
          • - Befriedigendes Aufbaugefühl
          • - Sehr stimmiges Material

          Contra

          • - Durch die Siegpunktvergabe am Spielende ist der Zwischenstand schwer abzuschätzen

          4 Kommentare

          1. Sehr schöne Rezension zu einem guten Spiel! :)

          2. In der Tat ein schönes Spiel. Es hätte den Preis “Kennerspiel des Jahres 2014″ mindestens genauso verdient gehabt wie Istanbul.

            • Hallo Martin, meiner Meinung nach sogar deutlich mehr. Könnte aber auch daran liegen, dass Istanbul mir persönlich überhaupt nicht gefallen hat ;). Sehr geradlinig, wenig Verflechtungen und hat man erst einmal eine schöne Kombination, springt man nur noch zwischen diesen Feldern hin und her, bis man gewonnen hat. Vielleicht täuscht der erste Eindruck, aber bei uns hatte niemand Lust irgendwann mal eine zweite Runde zu spielen.

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