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Gepostet by on 28.12.2014 in Allgemein, Familienspiele | Keine Kommentare

Camel Up

Camel Up

Test


Nervös stehen die Kamele an der Startlinie für das große Rennen, das sie in einem weiten Bogen um die gigantische Pyramide führen wird. Durch gleißenden Wüstensand, flirrende Hitze und nur vielleicht ab und zu in den wohligen Schatten einer Oase. Dann endlich der Startschuss – unter dem Gejohle der Zuschauer peitschen die Kamele und ihre Reiter in wildem Gallop in die Wüste hinein, Kilometer um Kilometer, Etappe um Etappe. Doch das eigentliche Rennen findet derweil bei den Buchmachern statt, wo aus aller Welt angereiste Glücksritter versuchen, mit geschickt platzierten Wetten das große Geld zu machen…

Direkt zu Fazit und Wertung

Spiel des Jahres 2014


Spiele des Jahres sind vor allem Familienspiele. Sie kommen meistens mit wenig Regeln aus, sind schnell erklärt und ebenso schnell gespielt. Camel Up ist dabei keine Ausnahme, für mich aber dennoch einer der spaßigsten Preisträger der letzten Jahre. Dafür sorgen ein schöner Bietmechanismus, ständige unvorhergesehene Entwicklungen und eine passende Atmosphäre am Tisch.

Camel Up

Camel Up – so geht’s


Das Spiel dreht sich um ein Kamelrennen, in dem fünf der wankenden Wüstenschiffe versuchen, die Ziellinie als erstes zu überqueren. Dabei versuchen die Spieler, auf den Ausgang von Etappen und des ganzen Rennens zu wetten oder in geringem Maße selbst Einfluss darauf zu nehmen. Reihum lässt ihnen Camel Up dafür vier verschiedene Möglichkeiten:

Würfeln und Kamele bewegen
In der Würfelpyramide befinden sich zu Beginn einer Etappe fünf Würfel in den Farben der verschiedenen Kamele. Entscheidet sich ein Spieler für diese Aktion, lässt er einen Würfel aus der Pyramide fallen und bewegt das gleichfarbige Kamel um die entsprechende Augenzahl vorwärts. Zahlen von eins bis drei sind dabei möglich. Der Clou: Beendet ein Kamel einen Zug auf dem Feld eines Artgenossen, wird es auf dessen Rücken gestapelt. Bei einer Bewegung nehmen die gutmütigen Tiere dann auch immer alle Kamele mit, die sich gerade auf ihrem Rücken ausruhen. So entstehen immer wieder neue Kamelstapel und mit ein wenig Würfelglück kann ein schon abgeschlagenes Kamel durch diese „Mitfahrgelegenheiten“ wieder ganz vorne landen.

Ein Wüstenplättchen legen
jeder Spieler besitzt ein Plättchen, das zwei Seiten zeigt: Eine blühende Oase und eine Fata Morgana. Dieses darf als Aktion auf einem freien Spielplanfeld platziert werden. Beendet nun ein Kamel seinen Zug auf dem so markierten Feld, geht es entweder einen Schritt weiter nach vorn und springt dort wie gewohnt auf eventuell wartende Kamele auf, oder einen zurück. In letzterem Fall muss es dann als einzige Ausnahme von der sonstigen Regel unter auf dem Zielfeld stehende Artgenossen geschoben werden. Bei Aktivierung erhält der Besitzer des Plättchens eine Münze, geschickt gesetzte Wüstenfelder können also in mehrfacher Hinsicht durchaus spielentscheidend sein.

Auf den Ausgang einer Etappe wetten
möchte man nicht bloß Würfeln und die Wüste verschönern, sondern auch gewinnen, ist dies die entscheidende Aktion bei Camel Up. Für jedes Kamel liegen drei Karten mit Wertigkeiten von fünf, drei und zwei in absteigender Reihenfolge aus. Wer sich eine solche Karte nimmt, wettet damit darauf, dass dieses Kamel am Ende der Etappe die Nase vorn haben wird. Hat er damit richtig gelegen, bekommt er den vollen Betrag ausgezahlt. Wurde das zweihöckrige Tier zumindest zweiter, bekommt er immerhin noch eine Münze und hat es lediglich Platz drei bis fünf erreicht, muss er schließlich selbst eine Münze zahlen.

Auf den Ausgang des Rennens wetten
Nicht nur auf den Etappensieg, sondern auch auf den Ausgang des ganzen Rennens kann getippt werden. Neben dem Sieger auch darauf, welches Kamel wohl als letztes die Ziellinie überquert. Jeder falsche Tipp kostet am Ende eine Münze, dafür bringt eine richtige Vorhersage umso mehr ein, je früher sie abgegeben wurde.

Etappenwertung und Spielende


Wenn der letzte Würfel aus der Pyramide gerollt ist und alle Kamele bewegt wurden, ist eine Etappe beendet. Es folgt die Etappenwertung, bevor alle Würfel wieder in das Pharaonengrab gesteckt und die Karten auf die jeweiligen Stapel zurückgelegt werden. Sobald ein Kamel schließlich die Ziellinie überquert, ist das Spiel sofort vorbei und nach einer letzten Etappenwertung werden die Wetten auf den Ausgang des Rennens betrachtet. Nun ist es Zeit, den Sieger zu küren. Und weil das alles so schnell ging, kann man eigentlich direkt noch eine Runde spielen…

Camel Up Draufsicht

Von Glücksrittern und Pokerfaces


Camel Up zieht einen Großteil seines Reizes aus dem sich ständig ändernden Status Quo auf dem Spielfeld. Da landet ein abgeschlagenes Kamel dank einer gewürfelten Drei auf einer Oase, springt auf einen wartenden Kamelstapel und hat auf einmal die Möglichkeit, doch noch ganz vorne zu landen, wenn das Würfelglück ihm treu bleibt – jetzt also doch noch schnell auf den Etappensieg setzen? Oder besser die sichere Variante nehmen? Während man also überstürzt Wahrscheinlichkeiten überschlägt und lautstark Theorien über den weiteren Rennverlauf hinausposaunt, entsteht der Druck dadurch, dass eine Wette umso mehr bringt, je früher ich sie wähle. Tippe ich als erster auf den Etappensieg eines Kamels, bekomme ich volle fünf Münzen ausgezahlt und die Konkurrenz schläft natürlich nicht. Dasselbe gilt auch die finale Wertung.

Wehe dem der würfelt


Da man nur dann wirklich sinnvoll wetten kann, wenn schon ein paar Würfel geworfen wurden, hilft man durch Nutzung der Würfelpyramide vor allem den Mitspielern. Das wird zwar ein wenig dadurch ausgeglichen, dass der Würfelnde praktisch als Ausgleich eine Münze erhält, aber je mehr Spieler um den Tisch sitzen, desto mehr fällt es ins Gewicht, denn Reaktionen sind dann kaum noch möglich. Wer viel würfelt, verliert bei Camel Up also oft – aber einfach weil die möglichen Ergebnisse so spannend zu betrachten sind (und weil es irgendwann auch einfach weitergehen muss) wird dann doch immer wieder zur Pyramide gegriffen.

Anleitung und Material


Camel Up hat eine Anleitung, wie man sie bei einem Spiel des Jahres nicht anders erwartet: Sie ist sehr kurz. Auf drei Seiten wurde alles Wissenswerte zusammengefasst. Das Material ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. So nett die Holzkamele auch aussehen und so stimmungsvoll die gesamte Optik des Spiels sich präsentiert – schon nach wenigen Spielen war das Gummiband, das die Würfelpyramide zusammenhält, gerissen und der beiliegende Ersatz leicht gedehnt. Ein Materialfehler, der den Gesamteindruck dann doch getrübt hat.

Fazit – wie gut ist Camel Up?


Wer auch mal eine Auszeit von großer Strategie nehmen möchte, oder ohnehin lieber schnelle, lustige Spiele mag, wird mit Camel Up viel Spaß haben. Zwar kann auch hier taktiert werden, aber neben dem notwendigen Gefühl für den richtigen Moment zwischen Risiko und Kalkül spielt am Ende der Zufall dann doch eine sehr große Rolle. In einer lockeren Runde führt allerdings gerade das immer wieder zu witzigen und völlig unerwarteten Ergenissen. Bei einer Spieldauer von bloß zwanzig bis dreißig Minuten kommt das Spiel jedenfalls schnell auf den Tisch und ist damit zum Beispiel auch ein perfekter Absacker am Ende eines Spieleabends voll schwerer Brettspielkost.

Hat dir diese Rezension gefallen? Sag uns gerne in den Kommentaren deine Meinung – wir freuen uns riesig über Lob, Anregungen und Kritik.

Camel Up

Camel Up
7

Strategie/Taktik

3/10

    Interaktion

    8/10

      Anleitung/Material

      7/10

        Spielspaß

        7/10

          Pro

          • - Unvorhergesehene Entwicklungen bringen Würze ins Geschehen
          • - Glück und Taktik in einem guten Verhältnis
          • - Schönes Spiel für zwischendurch

          Contra

          • - Materialqualität
          • - Gerade in Runden mit vielen Spielern bringt Würfeln einen großen Nachteil

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